ChatGPT formuliert dir in 30 Sekunden eine Versicherungsmail. Morgen weiß er nicht mehr, dass er das getan hat. Kein Kontext zu deinem Leben, keine Verbindung zu deinen Daten, kein aktives Handeln. Brilliant im Moment, amnesisch danach.
Das ist das Grundproblem aller Standard-KI-Tools: Sie sind isoliert.
Was ich stattdessen wollte
Einen „Immer-On”-Partner. Ein System, das weiß wer ich bin – meine laufenden Vorgänge, meine Prioritäten, was morgen fällig ist. Das nicht wartet bis ich frage, sondern selbst aktiv wird.
Deshalb baue ich AXIOM. Kern ist Jarvis – erreichbar via Telegram. Kein Browser-Tab, kein Login, kein neuer Chat. Reinschreiben, fertig.
Wie Jarvis funktioniert
Jarvis startet mit einem festen Kern: wer er ist, wie er denkt. Aber mit einem leeren Werkzeugkasten.
Kommt eine Aufgabe, für die kein Tool existiert, baut er es sich selbst. Er schreibt das Python-Skript, testet es, speichert es – und führt es danach direkt aus, ohne jedes Mal das LLM zu befragen. Das hält die Kosten niedrig und die Geschwindigkeit hoch.
Das Prinzip:Aufgabe → Tool vorhanden? → ausführen. Kein Tool? → bauen, testen, speichern, ausführen.
Gedächtnis in drei Schichten
Was Jarvis von einem normalen Chatbot unterscheidet, ist das Gedächtnissystem. Es arbeitet in drei Ebenen:
Nachrichten sind der aktuelle Gesprächskontext. Semantische Archive sind vergangene Gespräche, durchsuchbar per Embedding. Langzeit-Fakten sind Dinge, die dauerhaft gelten – Entscheidungen, Commitments, TODOs – die Jarvis automatisch aus Konversationen extrahiert, ohne dass ich sie explizit ablegen muss.
Das bedeutet: Jarvis erinnert sich nicht nur dann, wenn ich ihn frage. Er zieht selbstständig Schlüsse aus dem, was gesagt wurde.
Was das im Alltag bedeutet
Der mentale Arbeitsspeicher ist leer. Nicht weil weniger passiert – sondern weil ich nichts mehr im Kopf halten muss.
Dokument kommt rein: Jarvis speichert, kategorisiert, setzt Wiedervorlage. Gedanke schießt durch den Kopf: Eintippen, aus den Augen, aus dem Sinn.
Der Unterschied zu „einfach Notizen machen”: Das System handelt. Es erinnert mich nicht nur – es legt Vorgänge an, priorisiert, verknüpft Kontext.
Technisch, für die die es interessiert
Jarvis läuft lokal, braucht keine externe Datenbank – alles landet in SQLite. Er ist LLM-agnostisch: Anthropic, OpenAI oder OpenRouter funktionieren alle, ein API-Key reicht. Das Telegram-Interface ist optional, aber mein bevorzugter Weg.
Der gesamte Code ist in einem sauberen Modul-Layout organisiert: Brain, Memory, Tool Registry, Tool Builder, Loop – jede Komponente hat eine klare Verantwortlichkeit. 171 Tests sorgen dafür, dass das Fundament hält, wenn oben drauf weitergebaut wird.
Der Preis
Selbst bauen bedeutet selbst warten. Keine Support-Hotline. Wenn was bricht, bin ich der Support.
Aber meine Daten gehören mir. Und das System wird genau so gut, wie ich es baue – nicht so gut wie ein Produkt-Team es für den Durchschnittsnutzer optimiert hat.
Jarvis ist kein Wrapper. Er ist ein System, das mit mir wächst.
Für mich ist das der richtige Trade-off.